Integrationskompass

Jugend gestaltet Zukunft

Preisträger

Der Hessische Partizipationspreis „Jugend gestaltet Zukunft“ wurde bisher an folgenden Kinder- und Jugendorganisationen verliehen:
  • Der Internatsrat an der Deutschen Blindenanstalt e.V. in Marburg vertritt die Interessen der 230 jugendlichen Bewohner/innen des Internats im Alter von 10 bis 21 Jahren in 45 Wohngruppen (WGs), die in ganz Marburg verteilt sind. Er verfolgt das Ziel, die Interessen der jugendlichen Bewohner/innen gegenüber der Internatsleitung deutlich zu machen und umzusetzen (z.B. altersgerechte Ausgehzeiten, „zeitgemäße“ WG-Internetnutzung). Aktuell erarbeitet der Internatsrat eine neue Satzung für seine Arbeit, da die bisherige Satzung durch die Internatsleitung vorgegeben war „und Punkte (enthält), die unsere Arbeit aus Partizipations-Sicht einschränken. Wir denken, dass uns eine demokratisch legitimierte Satzung stärkt!“
 
  • Jugendliche aus Rasdorf (Projekt Spiel- und Bewegungspark Rasdorf) haben sich organisiert, um ihre Interessen auf Gemeindeebene zu vertreten, da in der Gemeinde „alle vorhandenen Spielmöglichkeiten … nur bis 12 Jahre erlaubt (waren). Außerdem war es das Ziel der Jugendlichen, „einen Treffpunkt zu schaffen und andere Jugendliche animieren raus zu gehen und nicht ständig vor dem PC zu hocken.“ Um dieses Ziel zu erreichen hatte die Jugendgruppe u.a. eine „Diskussion mit der Point-Alpha-Gemeinde Rasdorf über die sanierungsbedürftigen ‚alten‘ Spielplätze. Anstatt diese zu sanieren, wollten wir etwas Neues – wo auch wir drauf dürfen!“ Im Ergebnis und zur Ideenfindung fanden regelmäßige Treffen der Gruppe und mit Landschaftsarchitekten statt, um einen Spiel- und Bewegungspark zu planen. Aktuell ist das entwickelte Konzept fertig und genehmigt – „Die Bagger rollen schon, erste Spielgeräte wurden in den letzten Tagen aufgebaut.“
 
  • Im Jugendprojekt „JuViSta – junge Vielfalt findet Stadt“ aus dem Landkreis Offenbach engagieren sich ca. 16 Jugendliche vorrangig mit Migrationshintergrund im Alter von 14 bis 21 Jahren und setzen sich für die Belange von Jugendlichen ein.
 
  • Das Kreisjugendparlament im Vogelsbergkreis existiert seit 1992 und ist damit das älteste Kinder- und Jugendparlament in Hessen. Es besteht aus bis zu 27 Abgeordneten im Alter von 12 bis 18 Jahren aus 19 Städten und Gemeinden des Vogelsbergkreises. Seine Legislaturperiode beträgt zwei Jahre. Es wird von ca. 5.500 wahlberechtigten Kindern und Jugendlichen gewählt.
 
  • Seit 2000 existiert das Stadtjugendparlament Lauterbach und ist damit eines der ältesten Kinder- und Jugendparlamente in Hessen. Seitdem werden 21 Jugendliche aus der Stadt Lauterbach und den Ortsteilen für zwei Jahre ins Stadtjugendparlament gewählt. Wahlberechtigt und wählbar sind alle Lauterbacher Jugendlichen zwischen 12 und 18 Jahren. Das Stadtjugendparlament ist „ein städtisches Gremium mit eigener Geschäftsordnung und Antragsrecht in der Stadtverordnetenversammlung (über den Jugendausschuss).“ Das Stadtjugendparlament hat monatliche Sitzungen und trifft sich wöchentlich zur Nach- und Vorbereitung seiner Projekte. Hier sind beispielhaft zu nennen: Gestaltung der Gedenkfeier zur Pogromnacht, Verlegung von Stolpersteinen, jährliche Durchführung eines Jugendforums, Durchführung eines Jugendaktionstags im Rahmen des Stadtfestes, Mitwirkung am Weihnachtsmarkt. 
 
  • „Wieder mal keinen Bock auf Politik?“, diese Frage stellt der Wiesbadener Verein zur politischen Partizipation e.V. auf seiner Internetseite und weist auf ein politisches Desinteresse unter Jugendlichen hin. Der von Jugendlichen selbstorganisierte Verein macht aber gerade das Gegenteil deutlich. Mit großem Engagement organisieren die ca. 25 Mitglieder des Vereins Projekte und Veranstaltungen in denen sich junge Menschen mit Themen wie der Sanierung von Wiesbadener Schulen, mit Diskriminierung, Intoleranz und Rechtsextremismus auseinandersetzen. Das umfassendste Projekt aber stellt die jährlich durchgeführte internationale Konferenz „WIESMun“ dar. Diese Konferenz wird nach dem Vorbild der Vollversammlung der Vereinten Nationen organisiert und im Jahr 2015 haben über 80 Jugendliche aus zehn Nationen teilgenommen haben.
 
  • Die Gruppe „Höpperjugend“ ist ein Zusammenschluss von fast allen Kindern und Jugendlichen aus dem Ort Benkhausen (170 Einwohner) und einigen Auswärtigen (Gemeinde Diemelsee). In der Gruppe sind zur Zeit 30 junge Menschen im Alter von 10-25 Jahre aktiv. Ihre Ziel ist „Keine Langeweile auf dem Land“; die jungen Menschen wollen ihre Lebenswelt mitgestalten, sie bringen neuen Schwung ins Dorf. Ihre praktische Idee ist, möglichst viel Freizeit in Gemeinschaft am Ort zu verbringen. Hierfür sind sie in verschiedenen Bereichen aktiv: Ortsbeirat, Steuerungsgruppe Dorfentwicklung, Tag der „Sauberen Landschaft“, Tier-/Naturschutz, Umbau der ehemaligen Gefrieranlage zum Jugendraum. Nunmehr wird der Jugendraum eigenständig mit 50 Prozent Kostenbeteiligung verwaltet. Aktive Beteiligung gibt es im Dorfentwicklungsprozess und konkret bei der Planung des „Multifunktionsplatzes Diemelsee“ – Mitwirkung in der Steuerungsgruppe.
 
  • Das JUFO Burgschwalbach ist eine von Schülern und Studenten getragene Organisation, die Aktionen zur Stärkung der Demokratie durchführt. Das Team JUFO und die jeweilige Schülervertretung übernehmen die Planung, Durchführung und Nachbereitung von freiwilligen Abendveranstaltungen. Ziel ist, politische Debatten stärker in den Alltag von Jugendlichen zu bringen. Als „Rezept“ für eine Politisierung wird die Verknüpfung von Bildung und Entertainment gesehen und inszeniert. Das Projekt entstand 2015 aus einem Politik-LK eines Gymnasiums. Das Anliegen bezieht sich auf Partizipation sowohl für die Politisierung von Jugendlichen als auch für den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Die JUFO-Debatte als Veranstaltungskonzept orientiert sich dabei am US-amerikanischen Stil mit Publikumspartizipation und Medien. Zwei Aspekte sollen gekoppelt werden: „Sportlicher Wettkampf der Argumente“ und „Publikumspartizipation“ als klassische freie Frage- und Kommentarrunde. Das Netzwerk zu Schulen, Parteiverbänden und Organisationen wird stetig erweitert, um in anderen Städten JUFO-Veranstaltungen organisieren zu können. Der Aktionsradius von 31 Landkreisen erstreckt sich auf Rheinland-Pfalz und Hessen. Monatlich finden ca. zwei bis vier Debatten statt mit ca. 150 Mitwirkenden pro Veranstaltung.
 
  • Das Jugendforum der Stadt Fulda existiert seit 2015. Im Jugendforum engagieren sich Jugendliche zwischen 13 und 19 Jahren. Sie treffen sich regelmäßig einmal im Monat und darüber hinaus zur Planung und Durchführung von Aktionen. Das Jugendforum setzt Ideen von Jugendlichen um. Ausgehend von einer Bildungsfahrt nach Berlin entwickelte sich das Projekt zur U-18 Wahl 2017. Das Jugendforum wollte in diesem Jahr wieder eine der größten U-18 Wahlaktionen in Hessen erreichen. Das Projekt umfasste nicht nur die Kontaktaufnahme mit Schulen und die Durchführung der Wahl, sondern auch ein umfassendes und kreatives „Begleitprogramm“ im Vorfeld, u.a. Politiker-Talkrunden und eine Wahlparty. Zudem wurde mit phantasievollen Ideen experimentiert. Eine Aktion trug den Titel: „Wie schmecken Inhalte der Parteien?“ Dabei wurden thematische Inhalte mit Geschmacksrichtungen wie süß, bitter, sauer, salzig verknüpft, um so Gespür bei den Jugendlichen für politische Tendenzen zu entwickeln – eine interessante Überlegung. Dem Jugendforum ist es damit gelungen, eine der größten Aktionen von und mit Jugendlichen zur U-18 Wahl in Hessen zu gestalten.

 

 

 

Hessisches Ministerium für Soziales und Integration
Dr. Martin Nörber
Dostojewskistraße 4
65187 Wiesbaden
 

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